Der Dritte Deutsche Bildungsbericht

Am 17. Juni 2010 wurde der dritte Bildungsbericht der Öffentlichkeit vorgestellt. Zuvor waren bereits 2008 und 2006 Bildungsberichte erarbeitet worden. Der Bildungsbericht 2010 ist vollständig auch als Online-Version direkt auf der Webseite des Bildungsberichts erhältlich.

Was ist der Bildungsbericht?

Der Bildungsbericht ist ein sogenannter indikatorgestützter Bericht zur Situation der Bildung in Deutschland. Indikatorgestützt meint dabei, dass die Situation der Bildung überwiegend anhand verschiedenster Kennziffern und Zahlen beschrieben wird. Und nicht etwa mit Hilfe von Meinungen, die beispielsweise durch Befragungen erhoben wurden.

Der Bildungsbericht wird erstellt im Auftrag der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Die Aufgabenstellung und die Philosophie des Bildungsberichts werden in der Gesamtkonzeption im Kern wie folgt beschrieben:

„Bildungsberichterstattung ist die kontinuierliche, datengestützte Information der Öffentlichkeit über Rahmenbedingungen, Verlaufsmerkmale, Ergebnisse und Erträge von Bildungsprozessen. […] Im Zentrum der Bildungsberichterstattung steht die Arbeit der Institutionen des Bildungswesens, von der Kinderkrippe bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. […]

„Die Bildungsberichterstattung für Deutschland informiert […] über die Wirkungen von Bildungsprozessen, ihre Ausgangsbedingungen im Sinne von Kontext und Inputmerkmalen sowie über die Prozesse selbst, wobei Bildungsverläufe wie auch die Qualität von Bildungsinstitutionen in den Blick kommen.“

Wer schreibt den Bericht?

Geschrieben wird der Bericht von einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Das Ganze geschieht unter der unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF). Weiterhin beteiligt sind das Deutsches Jugendinstitut (DJI),, das Hochschul-Informations-System GmbH (HIS), das Soziologisches Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie die Statistischen Ämter des Bundes und der
Länder (Destatis, StLÄ).

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

Der Bildungsbericht ist wohl Pflichtlektüre für alle, die sich mit strategischen Überlegungen in Bildungszusammenhängen beschäftigen. Die wichtigsten Ergebnisse sind in einer Zusammenfassung erhältlich, der Gesamtbericht umfasst immerhin 352 Seiten!

Um zur Lektüre anzuregen, nachfolgend einige „Highlights“. In Bezug auf die Hochschulpolitik erscheinen insbesondere folgende Fakten auffällig und diskussionswürdig:

Zusammensetzung der Bildungsteilnehmer ändert sich.

Durch den demografischen Wandel werden sich veränderte Anforderungen an die Bildungseinrichtungen ergeben. Die Bildungsteilnehmer werden immer älter. Der Anteil der jungen Menschen mit Migrationshintergrund im Bildungssystem wird durch die Tatsachen, dass die Zahl der Geburten im Bereich ohne Migrationshintergrund stark zurückgeht, deutlich zunehmen.

Sinkende Bildungsausgaben

Der Bericht weist nach, dass zwar nominell die Bildungsausgaben in Deutschland von 2007 auf 2008 gestiegen sind, dieser Zuwachs aber unterhalb der Steigerungen anderer Ausgaben lag. Der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist auf 6,2 % gesunken. Es sei daran erinnert, dass der Bildungsgipfel 2008 eigentlich beschlossen hatte, diesen auf 10 % zu steigern.

Soziale Selektion

Die Studienanfängerzahl hat 2009 einen absoluten Höchststand erreicht. Nach wie vor nehmen etwa drei Viertel aller Studienberechtigten ein Studium auf. Der Bericht betont allerdings ausdrücklich:

„Die Wahrscheinlichkeit, ein Studium zu beginnen, ist (auch bei gleichen Abiturnoten) deutlich größer, wenn zumindest ein Elternteil bereits ein Hochschulstudium abgeschlossen hat. An diesem grundlegenden Befund hat sich seit mehr als einem Jahrzehnt nichts Wesentliches verändert.“

An Stellen des Berichts wird sogar davon gesprochen, dass es eine zunehmende Kluft in den Bildungsverläufen von Kindern und Jugendlichen gibt. Benachteiligungen würden sich sogar eher kumulieren.

Bessere Bildung führt zu höheren Steuereinnahmen

Im Zusammenhang mit der Debatte um Studiengebühren erscheint insbesondere die folgende Aussage sehr spannend:

„Ein hohes Bildungsniveau führt nicht nur zu größeren individuellen, sondern auch gesellschaftlichen Erträgen: Insbesondere ein Hochschulstudium zahlt sich auch für die Gesellschaft über höhere Steuereinnahmen aus.“

Hohe Nachfrage nach Hochschulbildung bis 2025

Der Bericht prognostiziert (anders als der Hochschulpkat 2020!), dass die Nachfrage nach Hochschulbildung mindestens bis zum Jahr 2025 auf einem sehr hohen Niveau bestehen bleiben wird. Erhöhter Personal- und Finanzbedarf würde demnach bis mindestens 2018 auf dem heutigen oder einem höheren Niveau bestehen.

2 Antworten auf „Der Dritte Deutsche Bildungsbericht“

  1. Auf ein für die Hochschulen wichtiges Ergebnis des Bildungsberichts weist HIS hin: „In den nächsten 15 Jahren fallen die Studienanfängerzahlen kaum unter das Niveau der letzten 10 Jahre; die Auslastung der Hochschulen wird bis 2025 anhaltend hoch sein. Selbst wenn die Übergangsquote in die Hochschule gegenüber heute leicht sinken würden, also ein geringerer Teil der Studienberechtigten ein Studium aufnimmt, würde es 2025 noch knapp 350.000 Studienanfängerinnen und -anfänger geben.“ (Aus der Presseinfo vom 17. Juni 2010)

    Die Erwartungen, dass der Studierendenberg bald überwunden ist, ist also trügerisch. Der Hochschulpakt 2020, der die Spitze in 2015 erwartet, greift also zu kurz. Es ist eine Illusion zu glauben, man müsse nur diese Welle heil überstehen, dann kämen wieder normale Zeiten. Der Hochschulpakt 2020 zielt auf mehr oder weniger provisorische Maßnahmen, die gerade nicht auf Nachhaltigkeit angelegt sind. Die Hochschulen werden immer wieder darauf hingewiesen, dass sie sich auf die nach den Zeiten der Überlast kommende Phase verschärfter Konkurrenz vorbereiten sollten.

    Dies bedeutet aber, eine starke Generation von Studienanfängern sehenden Auges mit Massenangeboten abzuspeisen. Auch sie haben die besten Studienbedingungen verdient! Der Hochschulpakt muss auch dies zusätzlich nötigen Studienplätze ausfinanzieren und die Hochschulen in die Lage versetzen, zur geforderten Quantität auch die nötige Qualität bieten zu können.

    Da dies ein Problem ist, was nicht in einer Legislaturperiode erfolgversprechend zu lösen ist. Die politischen Auseinandersetzungen um eine angemessene Hochschulfinanzierung müssen also mit dem notwenigen langen Atem geführt werden.

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