Master als Regelabschluss – Positionen der TU9

Die Gruppe der TU9 hat Ende Februar 2010 ein Papier mit Vorschlägen zur „Verbesserung“ des zweistufigen Studiensystems vorgelegt. Die Gruppe der TU9 ist nach eigenen Angaben „der Verband der führenden Technischen Universitäten in Deutschland“. Die Mitglieder können Sie bei Interesse der Webseite der TU9 entnehmen. In diesem Papier sind einige Positionen enthalten, die vor dem Hintergrund der Bologna-Debatte kritisch betrachtet werden sollten und auch in Bezug auf die Entwicklung des Hochschulsystems in Deutschland interessant erscheinen.

Kernforderung: Master als Regelabschluss

Die Liste der im Papier aufgestellten Forderungen beginnt mit der nach dem „Master als Regelabschluss für die Ingenieurwissenschaften/Naturwissenschaften an Technischen Universitäten“. Das ist hochschulpolitisch mindestens in zweierlei Hinsicht brisant.

Zum einen hat gerade erst Anfang Februar die Kultusministerkonferenz (KMK) die geänderte Fassung der ländergemeinsamen Strukturvorgaben für die Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen veröffentlicht. Dort wird an der Vorgabe des zweistufigen Systems der Studienabschlüsse festgehalten. Und ausdrücklich gefordert, dass der Bachelor ein eigenständiger berufsqualifizierender Abschluss sein muss und der Master ein weiterer Abschluss ist. Die Brisanz liegt also vor allem in der nicht ausgesprochenen Schlussfolgerung, dass der Bachelor danach kein berufsqualifizierender Abschluss sein kann.

Zum zweiten wird die Forderung nur für die Technischen Universitäten erhoben. Überhaupt zieht sich durch den Text der rote Faden, dass vor allem von Universitäten gesprochen wird und Fachhochschulen nur am Rande erwähnt werden. Dahinter steckt vermutlich der Traum, doch wieder eine Differenzierung der Abschlüsse nach Hochschulart zu restaurieren.

Bloß keine externe Begutachtung?

Punkt 6 des Papiers ist zwar überschrieben mit „Weiterentwicklung internationaler Akkreditierungsstandards“.  Im Text ist dann aber eigentlich nur davon die Rede davon, dass die Qualitätssicherung primär Aufgabe der Hochschulen sei. Bei aller Problematik der Akkreditierungsverfahren und bei allem Optimierungspotential, dass dort noch schlummert – die Chancen einer externen Evaluation so generell zu negieren, erscheint schon befremdlich.

Promotionsrecht nur für Universitäten?

Einen ungeheuren Eifer entwickelt das Papier dann noch in der Forderung, dass das Promotionsrecht den Universitäten vorbehalten bleiben müsse. Eine sachliche Begründung dafür wird nicht geliefert.

Empfehlenswert ist hier sicherlich, sich einmal der Geschichte des Dr.-Ing. und der Technischen Hochschulen zu vergewissern. Den Dr.-Ing. gibt es in Deutschland erst seit 1899.  Die obgligatorische Schreibweise mit dem Bindestrich (den es bei keinem anderen Doktortitel in Deutschland gibt) basiert darauf, dass die klassischen Universitäten ihn nicht für vollwertig gehalten haben und das auch optisch deutlich werden sollte. Ähnliche Debatten haben sich in der deutschen Hochschullandschaft beispielsweise anläßlich der Integration der Pädagogischen Hochschulen in die Universitäten in den siebziger Jahren wiederholt. Da wurden teilweise Forderungen erhoben, die Kollegen der PHs müssten sich nachhabilitieren, da die Niveaus nicht vergleichbar seien.

Fakt ist und bleibt, dass Hochschulsysteme keine statisch angelegten Dinge sind, sondern sich stetig verändern. Dazu gehört eben auch, dass in einzelnen Bereichen von Fachhochschulen Forschung mittlerweile vom Umfang und Qualität her so zugenommen hat, dass dort auch über das Promotionsrecht zu reden ist.

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