Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Rolle der Fachhochschulen

Der Wissenschaftsrat hat am 2. Juli 2010 seine aktuellen Empfehlungen zur Rolle der Fachhochschulen im Hochschulsystem der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Wissenschaftsrat wurde Ende der fünfziger Jahre von Bund und Ländern gegründet. Er ist ein wissenschaftspolitisches Beratungsgremium, das einen Gesamtüberblick über die wissenschaftliche Arbeit in der Bundesrepublik geben und den Regierungen von Bund und Ländern Vorschläge für die Förderung der Wissenschaft unterbreiten soll.

In etwa zehnjährigen Abständen hat der Wissenschaftsrat jeweils durch Expertengruppen Stellungnahmen zur Entwicklung der Fachhochschulen erarbeiten lassen. Zu nennen sind hier beispielsweise die Studien

Insgesamt gesehen spiegelt das Papier des Wissenschaftsrats die Änderungen des deutschen Hochschulsystems wieder, der „grosse Wurf“ ist es insgesamt aber leider nicht. So zietiert die FR den Sprecher der Fachhochschulen innerhalb der Hochschulrektorenkonferenz, Andreas Geiger mit der Aussage, „Das Papier des Wissenschaftsrats sei zwar prinzipiell erfreulich“, aber das Festhalten am alleinigen Promotionsrecht der Unis sei „überholt“.

Fakten zu den Fachhochschulen

Gleichzeitig mit den Empfehlungen hat der Wissenschaftsrat auch eine interessante Zusammenstellung von Hintergrundinformationen zu den Fachhochschulen in Deutschland publiziert. So z.B. die Tatsache, dass mittlerweile 36 Prozent der Studierenden in Deutschland an einer Fachhochschule eingeschrieben sind. Nach wie vor ist die Zusammensetzung der Studierenden an FHs und Universitäten sehr unterschiedlich, an FHs von Studienanfängern mit Berufsausbildung beträgt an FHs beispielsweise über 45 Prozent. Besonders deutlich werden die Veränderungen aber im Forschungsbereich. So hat die Forschungstätigkeit an FHs stark zugenommen und auch die Zahl der FH-Absolventen, die eine Promotion anschliessen.

Aussagen zu den Veränderungen im Hochschulsystem

Vielleicht liegt der größte Wert der Empfehlungen des Wissenschaftsrats auch in der Tatsache, dass dort die Veränderungen im Hochschulsystem in ihren wesentlichen Punkten festgehalten werden. Genau genommen spricht das Papier vom

  • Differenzierungsprozess im Deutschen Hochschulsystem und von
  • der Bologna-Reform

als wesentlichen Elementen des Veränderungsprozesses.

Konstatiert wird eine „Konvergenzbewegung, in der sich in bestimmten Bereichen die Leistungsprofile von Fachhoch-
schulen denen von Universitäten annähern“. Zudem gebe es eine „Ausdifferenzierung sowohl im Sektor der Universitäten als auch im Bereich der Fachhochschulen“. Im Ergebnis sei „die herkömmliche Unterscheidung zwischen den beiden Hochschularten in manchen Aspekten von der Realität mittlerweile überholt“.

Konsequenzen

Typendifferenzierung soll bestehen bleiben

Leider bleibt das Papier bezüglich der vorgeschlagenen Konsequenzen auf halber Strecke stehen. Die Typendifferenzierung zwischen Universität und Fachhochschule soll bestehen bleiben. Vorgeschlagen werden lediglich Kooperationsplattformen für gemeinsame Forschungsvorhaben, für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses (gemeint sind damit Promotionen), kooperative Studienangebote oder Kooperationen mit Dritten. Die vordringliche Aufgabe der FHs solle die „akademische Ausbildung der Studierenden“ bleiben.

Kapazitätsaufwuchs bei den FHs

Richtigerweise wird gefordert, „den Aufwuchs der Kapazitäten an Fachhochschulen auf Dauer sicherzustellen“ und damit die Infrastrukturen der FHs angesichts des Studierendenanteils angemessen auszustatten. In diesem Zusammenhang sollen die „Kompetenzen der Fachhochschulen stärker für die Lehrerbildung fruchtbar zu machen“.

Akademisierung von Berufsfeldern

Eine besondere Rolle sollen die FHs beim Angebot von ergänzenden Studienangeboten im dualen Bereich oder an Fachschulen spielen. Explizit genannt werden dabei vor allem Gesundheitsberufe.

Altbackene Vorschläge zu Masterstudiengängen

Erstaunlich weit entfernt sich das Papier von der eigenen Analyse der Ausdifferenzierung der Hochschulen bezüglich der Vorschläge zu den Masterstudiengängen. Zugespitzt formuliert sind wissenschaftlich ausgerichtete Master Sache der Universitäten, für die FHs bleibt dann der Rest:

Studienangebote an Fachhochschulen sollen „auch in Zukunft ein eigenständiges praxis- und berufsfeldorientiertes Profil“ haben, das „die Aufnahme eines Studiums für diejenigen Bachelor-Studierenden von Universitäten attraktiv macht, die sich eine weniger theoriebezogene, sondern eher eine auf die außerhochschulische Karriere ausgerichtete akademische Ausbildung wünschen. An Fachhochschulen sollte verstärkt die Einrichtung von Master-Studiengängen verfolgt werden, die sich durch einen intensiven Berufsfeld- und Anwendungsbezug auszeichnen und der Ausbildung des Führungskräftenachwuchses außerhalb der Wissenschaft gewidmet sind.“ Forschungsorientierte Master-Studiengänge könnten „insbesondere für Fachgebiete in hohem Maße relevant sein, die an Universitäten nicht oder nur randständig vertreten sind.“

Das sind gelinde gesagt Positionen, die in von der Praxis mittlerweile weit überholt sind.

Kooperationsformen

Der Wissenschaftsrat schlägt nicht nur für die Forschung und für die Doktorandenausbildung eine formalisierte Kooperation zwischen Fachhochschulen und Universitäten vor. Er „ruft deshalb die Hochschulen dazu auf, in Lehre und Studium in einem höheren Maße kooperative und arbeitsteilige Strukturen zu etablieren. Zur Erleichterung von Übergängen zwischen den Hochschultypen sollte das Angebot an Bachelor- und Master-Studiengängen verstärkt mit anderen Hochschulen vornehmlich im regionalen Umfeld abgestimmt werden.“

Forschung an Fachhochschulen

Eindeutig sind die Forderungen, die Forschung an Fachhochschulen weiter zu stärken. Die FHs werden selbst aufgefordert, der Forschung innerhalb der Hochschulstrategie einen höheren Stellenwert einzuräumen und Forschung soll personell besser aufgestellt werden. Dazu gehört auch die Forderung nach Flexibilisierung der Deputatsanforderungen und die Einführung von Forschungsprofessuren und die Etablierung eines wissenschaftlichen Mittelbaus.

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